"Ein Ort, an dem sich Ritualzuschauer und Fernsehkritiker auf einen kurzen Absacker treffen können"

Tatort: Mord in der ersten Liga (So, 20. März)

Am Sonntag zeigt die ARD einen Tatort, der wohl in besonderer Weise wieder einmal Aufmerksamkeit erlangen wird. Denn er greift das heikle Thema Homosexualität im Profifußball auf. In der Fiktion kommt es schlussendlich gar zum ersten Outing eines schwulen Profis. Ein spannendes Thema also, das in unserer WebTV-Serie Das Wort zum Mord dieses Mal der Fußballtrainer Christoph Daum, die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann und Bestseller-Autor Frank Schätzing kommentieren.

Für Christoph Daum setze der Tatort ein Ausrufezeichen, um in die Problematik ein Stückchen mehr Normalität und Verständnis rein zu bringen. Er findet die Auseinandersetzung mit dem Tabuthema Homosexualität „sehr gelungen“. Auch Margot Käßmann findet es gut, dass der Tatort die Frage stelle, warum in der Männerwelt des Fußballs ein toller Fußballer nicht auch schwul sein könne. Allerdings hält sie den Drehort in Verbindung mit dem Thema Fußball wegen des Suizids von Torhüter Robert Enke für problematisch.

„Mich bedrückt, dass der Mord an einem Fußballer gerade bei Hannover 96 spielt. Ich habe damals die Trauerfeier für Robert Enke gehalten und denke, dass die Fans dort immer noch betroffen sind und voller Empathie“, so Käßmann. Es wäre besser gewesen, man hätte einen solchen Tatort in München oder Stuttgart angesiedelt, meint die Theologin: „Für Hannover ist es immer noch ein Alptraum, dass ein solcher Mann, der so beliebt war als Nationaltorhüter, aber auch in der Stadt, in der Region und bei den Fans, sich das Leben nimmt, weil er seine Schwäche nicht zugeben kann“, so Margot Käßmann.

Bestseller-Autor Frank Schätzing spricht in Das Wort zum Mord auch über seine mögliche Rolle als Tatort-Drehbuchautor. Schätzing wörtlich: „Ich bin vor ein paar Jahren mal gefragt worden, ob ich nicht Fälle für das Kölner Team entwickeln möchte. Ich habe dann mal vier entwickelt, die auch sehr gut ankamen. Sie hatten aber einen riesengroßen Nachteil: Sie waren viel zu teuer. Und ich kann nun mal nicht ohne Tricks. Ich muss es immer ein bisschen spektakulär haben, es ein bisschen krachen lassen. Insofern ich bin einfach nicht budgetkompatibel.“

Fotos: © Björn Schumann / Das Wort zum Mord


Das Wort zum Mord

Im November 2010 feierte der ARD-Krimiklassiker Tatort seinen 40. Geburtstag und ist nach wie vor die beliebteste deutsche Krimireihe. Aktuell gehen 17 Ermittlerteams in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf Mördersuche und begeistern die Zuschauer auf vielfältige Weise.

Für die zahlreichen Tatort-Fans geht es nun sonntagabends nach dem Tatort im Netz weiter: In unserer neuen WebTV-Serie Das Wort zum Mord kommentieren drei Prominente und Experten (z.B. beteiligte Darsteller, Publizisten oder echte Kommissare) jede Erstausstrahlung. Darüber hinaus nehmen sie Stellung zu eigenen Tatort-Erfahrungen und aktuellen Kontroversen rund um die Reihe.

Die WebTV-Serie wird seit dem 13. Februar sonntagabends ab 21:45 Uhr direkt im Anschluss an den Tatort in diesem Portal veröffentlicht. In der ersten Folge besprachen Tatort-Kommissar Oliver Mommsen, Tatort-Erfinder Gunther Witte und Die Super Nanny Katharina Saalfrank den neuen Bremer Tatort: Stille Wasser.

Bild 1: © WDR

TATORT: Mord in der ersten Liga
Die Story

Nach einer wichtigen Partie wird der Profifußballer Kevin Faber tot am Ufer eines Sees aufgefunden – erschlagen. Eine Tat im Affekt oder ein geplanter Mord? Charlotte Lindholm ist erschüttert: Nur wenige Stunden vor seinem Tod hatte Faber ihrem Sohn David im Stadion ein Autogramm gegeben.

Schon bald verfolgt die Kommissarin mehrere Spuren: Hatte Faber mit einem kritischen Interview seine Fans vor den Kopf gestoßen, war der Mord eine Abrechnung von Hooligans? Welche Rolle spielt Fabers Kollege und engster Freund Ben Nembrook – war Nembrook eifersüchtig auf seinen erfolgreichen Freund, der eine Karriere in der Fußball-Nationalmannschaft vor sich hatte? Und wie sah das Privatleben Fabers aus, lebte er glücklich mit seiner Frau zusammen? Oder sind die Indizien stimmig, die auf ein homosexuelles Doppelleben hindeuten?

Die Ermittler

Charlotte Lindholm, „die kühle Blonde“, wie sie oft auch genannt wird, ist als Ermittlerin für das Landeskriminalamt in Hannover tätig. Ihre Biographie bescherte ihr im Tatort bereits einen Liebhaber (Hannes Jaenicke), der sich mehrere Folgen halten konnte, dann jedoch einen tragischen Tod starb. Mittlerweile ist Lindholm Mutter, ihr langjähriger Mitbewohner Martin hat sie jedoch verlassen – dem Darsteller Ingo Naujoks war die Rolle irgendwann zu langweilig. Die Tatorte mit der von Maria Furtwängler gespielten Ermittlerin erzielen neben den Münster-Tatorten regelmäßig die höchsten Einschaltquoten.

Die Fakten

Mord in der ersten Liga ist der 18. Fall für die Hannoveraner LKA-Ermittlerin Charlotte Lindholm.

Neben Maria Furtwängler sind in diesem Tatort Benjamin Sadler (Jan Liebermann), Alexander Held (Leo Biller), Fritz Roth (Paul Näter), Luk Pfaff (Ben Nembrook) und Stephan Waak (Kevin Faber) zu sehen.

Regisseur dieses Films ist Nils Willbrandt, der auch den letzten Tatort mit Mehmet Kurtulus (Leben gegen Leben) inszenierte.

Geschrieben hat den Tatort Harald Göckeritz (u.a. Tatort: Leyla (2003) und Tatort: Kleine Diebe (2001). Göckeritz recherchierte im Fußballer-Milieu und kennt laut eigener Aussage mehrere homosexuelle Profifußballer.

Produziert wurde dieser Tatort von der Cinecentrum Hannover Film- und Fernsehproduktion GmbH im Auftrag des NDR vom 9. November bis 9. Dezember 2010 in Hannover.

Es wurde auch während eines Bundesligaspiels von Hannover 96 gedreht (am 20. November 2010, beim Spiel gegen den Hamburger SV)

Die Dreharbeiten bei Hannover 96 begannen fast genau ein Jahr nach dem Suizid von Torhüter Robert Enke im November 2009.

Mehr Infos gibt es auf DasErste.de

Unsere «Experten»

Bis Februar 2010 war Margot Käßmann Vorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland. Auch für ist der Tatort am Sonntagabend ein Ritual.

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