"Ein Ort, an dem sich Ritualzuschauer und Fernsehkritiker auf einen kurzen Absacker treffen können"

Leipziger Volkszeitung (01.03.2011)

Rückblick auf eine Affäre

Sie hat sich wieder zu Wort gemeldet: Doris J. Heinze, die 61-jährige ehemalige Fernsehspielchefin des Norddeutschen Rundfunks (NDR), die im Sommer 2009 nach der Drehbuchaffäre ihren Job verlor. "Ich weiß natürlich, dass es absoluter Schwachsinn war, überhaupt so etwas zu machen. Im Nachhinein tut es mir auch wahnsinnig leid, aber es ist nicht zurück zu nehmen", sagte sie gegenüber dem Internet-Format "Das Wort zum Mord".

Doris J. Heinze hatte dem NDR, also dem eigenen Sender, zwei Drehbücher und ein Treatment unter Pseudonym angeboten und 94 000 Euro dafür bekommen. Außerdem reichte sie zwei fast identische Drehbücher bei zwei Produktionsfirmen ein und kassierte dafür zweimal Honorar.

Doris J. Heinze, die heute auf der Nordsee-Insel Nordstrand lebt, findet für den NDR nur gute Worte: "Ich fühle mich dem NDR sehr verbunden. Es war eine wirklich tolle Zeit, weil man im Fernsehfilm auch sehr viele Freiheiten hat." Die Verantwortlichen im Sender seien sehr begeisterungsfähig gewesen.

Über ihr heutiges Leben unweit von Husum sagt sie: "Ich lebe am Meer, habe einen großen Garten, die Apfelbäume müssen geschnitten werden. Es gibt so viel zu tun. Das Leben besteht nicht nur aus Schreiben oder Filme machen." Der "Tatort" vom Sonntag mit dem Ermittler Cenk Batu, der noch unter ihrer Leitung konzipiert wurde hat ihr "unendlich gut gefallen. Nach meinem Gefühl ist das Zusammenspiel zwischen dem verdeckten Ermittler und seinem Ansprechpartner in dieser Folge zum ersten Mal wirklich gelungen. Für mich wäre es schon das Ziel gewesen, so einen Film zu machen."

Im Rückblick bewertet sie auch erstaunlich kritisch die Medien, die im Sommer 2009 ausführlich über sie berichtet hatten: "Man ist einfach in einer Situation, wo man weiß: Man ist der Presse ausgeliefert. Es durfte ja wirklich jeder über mein Leben spekulieren, in einer Art und Weise, wo ich dachte: Die Kreativität hätte man auch für andere Dinge nutzen können."

Am 31. Januar zeigte das ZDF "Meine Familie bringt mich um", ein Iris-Berben-Lustspiel nach einem Drehbuch von Doris J. Heinze.

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