"Ein Ort, an dem sich Ritualzuschauer und Fernsehkritiker auf einen kurzen Absacker treffen können"

Frankfurter Rundschau (25.02.2011)

Käßmann, Daum und die Organmafia

Prominente Fernsehkritik: In der WebTV-Serie „Das Wort zum Mord“ wird jede Woche der aktuelle „Tatort“ beurteilt. Die Rezensenten scheuen sich nicht auszuteilen.

Bis zu zehn Millionen Menschen schauen jede Woche den „Tatort“; mehr als 280.000 Fans hat die Serie bei Facebook. Was prominente Zuschauer vom „Tatort“ halten, ist in der WebTV-Serie „Das Wort zum Mord“ zu sehen, die vor zwei Wochen gestartet ist. Hier kommentieren Experten und Prominente die aktuelle „Tatort“-Folge. Sonntags um 21.45 Uhr, direkt nach dem „Tatort“, wird eine neue Episode der WebTV-Serie online gestellt.

Der Gründer Tobias Goltz will den Fans mit der Plattform ermöglichen, sich näher mit ihrer Lieblingsreihe auseinanderzusetzen. „Was die Prominenten in der Sendung sagen, wird von den „Tatort“-Fans weiter diskutiert“, sagt Goltz. Vorbild für „Das Wort zum Mord“ ist Goltz’ Internet-Format „Montagsfrage“. Hierbei hatten Prominente in 28 Folgen aktuelle, politische Fragen besprochen. Das Format zu einer „Tatort“-Serie weiterzuentwickeln, lag nahe: Mit dem „Tatort“ hat sich der Journalist Goltz lange beruflich beschäftigt.

Finanziert wird die Web-Serie bisher aus Eigenmitteln. Goltz betont, dass es sich bei seinem Projekt nicht um PR handelt: „Wir sind Journalisten; hier werden kritische Fragen gestellt.“ Die Rezensenten scheuen sich nicht auszuteilen: So findet Ulla Schmidt, ehemalige Bundesgesundheitsministerin, die Folge „Rendezvous mit dem Tod“ „an den Haaren herbeigezogen“. Kritik kommt auch vom Bremer „Tatort“-Kommissar Oliver Mommsen. Er bemängelt, dass in letzter Zeit für einzelne „Tatort“-Produktionen zu wenig Geld zur Verfügung gestanden habe, um bessere Bilder zu liefern.

Prominente für das Projekt zu gewinnen, sei leichter als gedacht, sagt Goltz. Doch es gebe auch Absagen. „Wir wissen natürlich nicht, welcher Promi „Tatort“-Fan ist“, erklärt Goltz. Richtig lag er bei Margot Käßmann, Christoph Daum und Frank Schätzing – sie werden in nächster Zeit einen „Tatort“ bewerten.

An diesem Sonntag ermittelt Cenk Batu (Mehmet Kurtulus) im Dunstkreis der Organmafia. Den „Tatort“ besprechen die Frauenrechtlerin Seyran Ates, Doris J. Heinze, ehemalige Fernsehspielchefin des NDR, und Wolfgang Bosbach, Vorsitzender des Innenausschusses im Bundestag. „Wir versuchen, die Experten so zu besetzen, dass es inhaltlich passt“, sagt Goltz, "Seyran Ate" haben wir gefragt, weil der Ermittler Deutsch-Türke ist und Doris J. Heinze, weil sie diese Figur erfunden hat.“ Auch einen Polizei-Experten haben die Macher für die kommende Folge gewonnen: „Wolfgang Bosbach kennt sich mit Polizeiarbeit aus; er kann beurteilen, wie gut der verdeckte Ermittler dargestellt wird“, sagt Glotz. So wie es dieser „Tatort“ zeige, sei es übrigens unrealistisch. (Autorin: Anne Bohlmann)

Die WebTV-Serie zum „Tatort“ unter www.daswortzummord.de

Mit Freunden teilen