"Ein Ort, an dem sich Ritualzuschauer und Fernsehkritiker auf einen kurzen Absacker treffen können"

18. März 2011

Margot Käßmann: "Mich bedrückt, dass dieser Fußball-Tatort ausgerechnet in Hannover spielt"

Am kommenden Sonntag greift ein neuer NDR-"Tatort" mit Maria Furtwängler das Thema Homosexualität im Profifußball auf. Für die Folge "Mord in der ersten Liga" drehte das Filmteam u.a. auch bei einem Bundesligaspiel von Hannover 96.

Margot Käßmann (52), die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, hält den Drehort in Verbindung mit dem Thema Fußball wegen des Suizids von Torhüter Robert Enke allerdings für problematisch.

Gegenüber dem WebTV-Format "Das Wort zum Mord", sagte sie: "Mich bedrückt, dass der Mord an einem Fußballer ausgerechnet bei Hannover 96 spielt. Ich habe damals die Trauerfeier für Robert Enke gehalten und denke, dass die Fans dort immer noch betroffen sind und voller Empathie."

Laut Käßmann wäre es besser gewesen, man hätte einen solchen "Tatort" in München oder Stuttgart angesiedelt. "Für Hannover ist es immer noch ein Alptraum, dass ein solcher Mann, der so beliebt war als Nationaltorhüter, aber auch in der Stadt, in der Region und bei den Fans, sich das Leben nimmt, weil er seine Krankheit nicht offen legen kann", so Margot Käßmann.

Generell begrüßte die Theologin, dass der "Tatort" sich mit dem Thema Homosexualität im Fußball befasst. Der Film beschäftige sich gut mit der Frage, warum in der Männerwelt des Fußballs ein toller Fußballer nicht auch schwul sein könne. Sie selbst wünsche sich, dass sich das Männlichkeitsbild sich auch diesbezüglich verändere.

In "Das Wort zum Mord" äußern sich zum selben "Tatort" auch Fußballtrainer Christoph Daum und Bestseller-Autor Frank Schätzing.

Schätzing spricht in der WebTV-Serie auch über eine mögliche Rolle als "Tatort"-Drehbuchautor. Schätzing wörtlich: "Ich bin vor ein paar Jahren mal gefragt worden, ob ich nicht Fälle für das Kölner Team entwickeln möchte. Ich habe dann mal vier entwickelt, die auch sehr gut ankamen. Sie hatten aber einen riesengroßen Nachteil: Sie waren viel zu teuer. Und ich kann nun mal nicht ohne Tricks. Ich muss es immer ein bisschen spektakulär haben, es ein bisschen krachen lassen. Insofern ich bin einfach nicht budgetkompatibel."

Wenn er zwei Millionen Euro für einen "Tatort" bekäme, könne man sofort einen seiner bereits entwickelten Fälle aus der Schublade nehmen, so Schätzing. Dabei sei er jedoch nicht festgelegt auf die Kölner Ermittler. Sehr schätzen würde er beispielsweise auch das Münsteraner Team, die Münchner Batic und Leitmayr und den von Axel Milberg dargestellten Ermittler Klaus Borowski.

In der WebTV-Serie "Das Wort zum Mord" kommentieren jeweils drei Prominente und Experten die aktuelle Folge des ARD-Krimiklassikers "Tatort". Die neueste Ausgabe ist am Sonntag ab 21.45 Uhr direkt im Anschluss an die TV-Ausstrahlung des neuen NDR-"Tatorts: Mord in der ersten Liga" im Internet unter www.daswortzummord.de abrufbar.

In den nächsten Wochen kommentieren u.a. auch "Tagesschau"-Chefsprecher Jan Hofer, DGB-Chef Michael Sommer, Krimi-Autorin Petra Hammesfahr und Linken-Politiker Lothar Bisky eine "Tatort"-Folge für "Das Wort zum Mord". Produziert wird die WebTV-Serie von der Berliner Medienfirma XiiT Media.

Rückfragen: Tobias Goltz, Projektleitung XiiT Media (E-Mail: tobias.goltz_at.xiit.de), Verwendung unter Nennung der Quelle frei

TATORT: Mord in der ersten Liga
Die Story

Nach einer wichtigen Partie wird der Profifußballer Kevin Faber tot am Ufer eines Sees aufgefunden – erschlagen. Eine Tat im Affekt oder ein geplanter Mord? Charlotte Lindholm ist erschüttert: Nur wenige Stunden vor seinem Tod hatte Faber ihrem Sohn David im Stadion ein Autogramm gegeben.

Schon bald verfolgt die Kommissarin mehrere Spuren: Hatte Faber mit einem kritischen Interview seine Fans vor den Kopf gestoßen, war der Mord eine Abrechnung von Hooligans? Welche Rolle spielt Fabers Kollege und engster Freund Ben Nembrook – war Nembrook eifersüchtig auf seinen erfolgreichen Freund, der eine Karriere in der Fußball-Nationalmannschaft vor sich hatte? Und wie sah das Privatleben Fabers aus, lebte er glücklich mit seiner Frau zusammen? Oder sind die Indizien stimmig, die auf ein homosexuelles Doppelleben hindeuten?

Die Ermittler

Charlotte Lindholm, „die kühle Blonde“, wie sie oft auch genannt wird, ist als Ermittlerin für das Landeskriminalamt in Hannover tätig. Ihre Biographie bescherte ihr im Tatort bereits einen Liebhaber (Hannes Jaenicke), der sich mehrere Folgen halten konnte, dann jedoch einen tragischen Tod starb. Mittlerweile ist Lindholm Mutter, ihr langjähriger Mitbewohner Martin hat sie jedoch verlassen – dem Darsteller Ingo Naujoks war die Rolle irgendwann zu langweilig. Die Tatorte mit der von Maria Furtwängler gespielten Ermittlerin erzielen neben den Münster-Tatorten regelmäßig die höchsten Einschaltquoten.

Die Fakten

Mord in der ersten Liga ist der 18. Fall für die Hannoveraner LKA-Ermittlerin Charlotte Lindholm.

Neben Maria Furtwängler sind in diesem Tatort Benjamin Sadler (Jan Liebermann), Alexander Held (Leo Biller), Fritz Roth (Paul Näter), Luk Pfaff (Ben Nembrook) und Stephan Waak (Kevin Faber) zu sehen.

Regisseur dieses Films ist Nils Willbrandt, der auch den letzten Tatort mit Mehmet Kurtulus (Leben gegen Leben) inszenierte.

Geschrieben hat den Tatort Harald Göckeritz (u.a. Tatort: Leyla (2003) und Tatort: Kleine Diebe (2001). Göckeritz recherchierte im Fußballer-Milieu und kennt laut eigener Aussage mehrere homosexuelle Profifußballer.

Produziert wurde dieser Tatort von der Cinecentrum Hannover Film- und Fernsehproduktion GmbH im Auftrag des NDR vom 9. November bis 9. Dezember 2010 in Hannover.

Es wurde auch während eines Bundesligaspiels von Hannover 96 gedreht (am 20. November 2010, beim Spiel gegen den Hamburger SV)

Die Dreharbeiten bei Hannover 96 begannen fast genau ein Jahr nach dem Suizid von Torhüter Robert Enke im November 2009.

Mehr Infos gibt es auf DasErste.de

Unsere «Experten»

Bis Februar 2010 war Margot Käßmann Vorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland. Auch für ist der Tatort am Sonntagabend ein Ritual.

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