"Ein Ort, an dem sich Ritualzuschauer und Fernsehkritiker auf einen kurzen Absacker treffen können"

25. Februar 2011

Doris J. Heinze im Interview: "Es war eine wirklich tolle Zeit."

Doris J. Heinze (61), ehemalige Fernsehspielchefin des Norddeutschen Rundfunks, hat sich in einem Interview zur so genannten „Drehbuchaffäre“ geäußert, in Folge derer sie ihren Posten beim NDR verloren hatte. „Ich weiß natürlich, dass es absoluter Schwachsinn war, überhaupt so etwas zu machen. Im Nachhinein tut es mir auch wahnsinnig leid, aber es ist nicht zurückzunehmen. Man kann auch nicht mehr zu tun, als sich dafür zu entschuldigen und das auch wirklich zu meinen“, sagte sie gegenüber dem Internet-Format „Das Wort zum Mord“.

Heinze, die als eine der begabtesten Fernsehfilmmacherinnen in Deutschland galt, hatte unter falschem Namen Drehbücher von sich und ihrem Ehemann an den NDR verkauft und dem Sender so einen finanziellen Schaden zugefügt.

In dem Interview, das Doris J. Heinze in Husum unweit ihres heutigen Wohnortes auf der Nordsee-Insel Nordstrand gab, bewertet sie auch die Presseberichterstattung über die Affäre: „Man ist einfach in einer Situation, wo man weiß: Man ist der Presse ausgeliefert. Es durfte ja wirklich jeder über mein Leben spekulieren, in einer Art und Weise, wo ich dachte: Die Kreativität hätte man auch für andere Dinge nutzen können“.

Für den NDR hingegen findet sie im Rückblick auf ihre Zeit als Fernsehspielchefin nur gute Worte: „Ich fühle mich dem NDR sehr verbunden. Es war eine wirklich tolle Zeit, weil man im Fernsehfilm auch sehr viele Freiheiten hat. Es war ja nicht so, dass man da alleine gesessen hat und entschieden hat, sondern wenn man seine Ideen den Verantwortlichen erzählt hat, waren sie auch begeisterungsfähig. Das finde ich nicht selbstverständlich“, so Heinze gegenüber „Das Wort zum Mord“. Über ihr heutiges Leben nach der Affäre sagt Heinze: "Ich lebe ja am Meer, ich habe einen großen Garten, die Apfelbäume müssen geschnitten werden. Es gibt so viel zu tun. Das Leben besteht nicht nur aus Schreiben oder Filme machen."

In der WebTV-Serie "Das Wort zum Mord" kommentieren jeweils drei Prominente und Experten die aktuelle Folge des ARD-Krimiklassikers „Tatort“, für den auch Heinze jahrelang tätig war.

Der aktuelle „Tatort“ mit Mehmet Kurtulus, ´gefalle ihr „unendlich gut“. „Nach meinem Gefühl ist das Zusammenspiel zwischen dem verdeckten Ermittler und seinem Ansprechpartner in dieser Folge zum ersten Mal wirklich gelungen. Für mich wäre es schon das Ziel gewesen, so einen Film zu machen“, so Heinze.

Die neueste Ausgabe der WebTV-Serie „Das Wort zum Mord“ ist am Sonntag ab 21.45 Uhr direkt im Anschluss an die TV-Ausstrahlung des neuen Hamburg-„Tatorts: Leben gegen Leben“ im Internet unter www.daswortzummord.de abrufbar. Darin äußern sich neben Doris J. Heinze auch der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach (Vorsitzender des Innenausschusses des Deutschen Bundestags) und die Rechtsanwältin und Frauenrechtlerin Seyran Ates.

In den kommenden Wochen kommentieren u.a. auch Bestseller-Autor Frank Schätzing, Fußballtrainer Christoph Daum und die ehemalige EKD-Vorsitzende Margot Käßmann eine „Tatort“-Folge für „Das Wort zum Mord“. Produziert wird die WebTV-Serie von der Berliner Medienfirma XiiT Media.

Rückfragen: Tobias Goltz, Projektleitung XiiT Media (E-Mail: tobias.goltz_at.xiit.de), Verwendung unter Nennung der Quelle frei

TATORT: Vergeltung
Die Story

In Vergeltung wird Moritz Eisner mit dem Thema Jugendgewalt konfrontiert. Ein Serientäter tötet rechtskräftig, verurteilte jugendliche Gewalttäter.

Vieles deutet auf das Motive Rache aus dem Umfeld eines damaligen Opfers hin und eine erste Spur führt zu der therapeutischen Einrichtung „Pro Youth“, die sich auf die Resozialisierung Jugendlicher spezialisiert hat.

Die Ermittler

Seit 1998 ermittelt Harald Krassnitzer nun schon als Chefinspektor Moritz Eisner. Er gilt als Spezialist und wird deswegen von Wien als Leiter von Sonderkommissionen zur Lösung kniffliger Fälle in die Bundesländer geschickt.

In Vergeltung unterstützt ihn Bibi Fellner (Adele Neuhauser), die Eisner von der Sittenpolizei kennt und das eine oder andere eigene Problem mitbringt…

Die Fakten

Vergeltung ist der mittlerweile 24. Fall für Chefinspektor Moritz Eisner.

Neben Harald Krassnitzer und adele Neuhauser spielen in diesem Tatort u.a. Harald Schrott, Aglaia Szyszkowitz, Tanja Raunig (als Eisners Tochter Claudia) und Hubert Kramar (als Eisners Chef Ernst Rauter).

Inszeniert wurde dieser Tatort von Wolfgang Murnberger. Das Drehbuch stammt von Uli Brée.

Produziert wurde Vergeltung von der Allegro Film zwischen dem 25. Mai und dem 24. Juni 2010 in Wien und Niederösterreich.

Mehr Infos gibt es auf DasErste.de

Unsere «Experten»

Jo Groebel, Medienpsychologe und Chef des Deutschen Digital Instituts, schreibt Bücher zum Thema Gewalt in den Medien.

Die vorherige Folge

In der letzten Folge von So, 27.02, kommentierten der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach, die Rechtsanwältin Seyran Ates und Doris J. Heinze – die ehemalige NDR-Fernsehspielchefin – den Hamburger-Tatort: Leben gegen Leben mit Mehmet Kortulus...
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