"Ein Ort, an dem sich Ritualzuschauer und Fernsehkritiker auf einen kurzen Absacker treffen können"

15. März 2011

Fußballtrainer Christoph Daum über Homosexualität und Depressionen im Profifußball

Fußballtrainer Christoph Daum (57) hält ein Outing eines homosexuellen Bundesliga-Spielers derzeit für nicht möglich. Im Interview mit dem WebTV-Format "Das Wort zum Mord" sagte er: "In absehbarer Zukunft kann ich mir das nicht vorstellen. Das ginge nur, wenn es einen Zusammenschluss mehrerer schwuler Profis gibt."

Daum äußerte sich anlässlich einer neuen "Tatort"-Produktion mit Maria Furtwängler. Die Folge "Mord in der ersten Liga", die am kommenden Sonntag in der ARD gezeigt wird, beschäftigt sich mit dem Thema Homosexualität im Profifußball. Für den "Tatort" war im letzten Jahr auch während eines Bundesligaspiels von Hannover 96 gedreht worden.

Der "Tatort" setze dennoch ein Ausrufezeichen, um in die Problematik ein Stück weit mehr Normalität zu bringen. Die Auseinandersetzung mit dem Thema im "Tatort" sei "sehr gelungen", so Daum. Er selbst zähle Homosexuelle zu seinen engsten Freunden und plädiere für Toleranz.

Nach dem Suizid von Torhüter Robert Enke im November 2009 habe sich in Bezug auf Schwächen im Profifußball nach Daums Beobachtung generell wenig getan. "Eine grundlegende Änderung hat es nicht gegeben. Die Klischees, dass du stark sein musst, dass du vor Selbstvertrauen strotzen musst, sind bisher bestehen geblieben", sagte Christoph Daum.

Ihn selbst habe der Tod Enkes allerdings sensibilisiert. "Ich frage seitdem mehr nach und schaue genauer hin, wo sich bei einem einzelnen Spieler vielleicht extreme Barrieren, Spannungen oder auch Angstzustände aufbauen. Als Trainer bin ich dann gefordert, helfend mit einzuwirken", so Daum.

In der WebTV-Serie "Das Wort zum Mord" kommentieren jeweils drei Prominente und Experten die aktuelle Folge des ARD-Krimiklassikers "Tatort".

Die neueste Ausgabe der WebTV-Serie "Das Wort zum Mord" ist am Sonntag ab 21.45 Uhr direkt im Anschluss an die TV-Ausstrahlung des neuen NDR-"Tatorts: Mord in der ersten Liga" im Internet unter www.daswortzummord.de abrufbar. Darin äußern sich neben Christoph Daum auch die ehemalige EKD-Vorsitzende Margot Käßmann und Bestseller-Autor Frank Schätzing.

In den nächsten Wochen kommentieren u.a. auch "Tagesschau"-Chefsprecher Jan Hofer, DGB-Chef Michael Sommer, Krimi-Autorin Petra Hammesfahr und Linken-Politiker Lothar Bisky eine "Tatort"-Folge für "Das Wort zum Mord". Produziert wird die WebTV-Serie von der Berliner Medienfirma XiiT Media.

Rückfragen: Tobias Goltz, Projektleitung XiiT Media (E-Mail: tobias.goltz_at.xiit.de), Verwendung unter Nennung der Quelle frei

TATORT: Mord in der ersten Liga
Die Story

Nach einer wichtigen Partie wird der Profifußballer Kevin Faber tot am Ufer eines Sees aufgefunden – erschlagen. Eine Tat im Affekt oder ein geplanter Mord? Charlotte Lindholm ist erschüttert: Nur wenige Stunden vor seinem Tod hatte Faber ihrem Sohn David im Stadion ein Autogramm gegeben.

Schon bald verfolgt die Kommissarin mehrere Spuren: Hatte Faber mit einem kritischen Interview seine Fans vor den Kopf gestoßen, war der Mord eine Abrechnung von Hooligans? Welche Rolle spielt Fabers Kollege und engster Freund Ben Nembrook – war Nembrook eifersüchtig auf seinen erfolgreichen Freund, der eine Karriere in der Fußball-Nationalmannschaft vor sich hatte? Und wie sah das Privatleben Fabers aus, lebte er glücklich mit seiner Frau zusammen? Oder sind die Indizien stimmig, die auf ein homosexuelles Doppelleben hindeuten?

Die Ermittler

Charlotte Lindholm, „die kühle Blonde“, wie sie oft auch genannt wird, ist als Ermittlerin für das Landeskriminalamt in Hannover tätig. Ihre Biographie bescherte ihr im Tatort bereits einen Liebhaber (Hannes Jaenicke), der sich mehrere Folgen halten konnte, dann jedoch einen tragischen Tod starb. Mittlerweile ist Lindholm Mutter, ihr langjähriger Mitbewohner Martin hat sie jedoch verlassen – dem Darsteller Ingo Naujoks war die Rolle irgendwann zu langweilig. Die Tatorte mit der von Maria Furtwängler gespielten Ermittlerin erzielen neben den Münster-Tatorten regelmäßig die höchsten Einschaltquoten.

Die Fakten

Mord in der ersten Liga ist der 18. Fall für die Hannoveraner LKA-Ermittlerin Charlotte Lindholm.

Neben Maria Furtwängler sind in diesem Tatort Benjamin Sadler (Jan Liebermann), Alexander Held (Leo Biller), Fritz Roth (Paul Näter), Luk Pfaff (Ben Nembrook) und Stephan Waak (Kevin Faber) zu sehen.

Regisseur dieses Films ist Nils Willbrandt, der auch den letzten Tatort mit Mehmet Kurtulus (Leben gegen Leben) inszenierte.

Geschrieben hat den Tatort Harald Göckeritz (u.a. Tatort: Leyla (2003) und Tatort: Kleine Diebe (2001). Göckeritz recherchierte im Fußballer-Milieu und kennt laut eigener Aussage mehrere homosexuelle Profifußballer.

Produziert wurde dieser Tatort von der Cinecentrum Hannover Film- und Fernsehproduktion GmbH im Auftrag des NDR vom 9. November bis 9. Dezember 2010 in Hannover.

Es wurde auch während eines Bundesligaspiels von Hannover 96 gedreht (am 20. November 2010, beim Spiel gegen den Hamburger SV)

Die Dreharbeiten bei Hannover 96 begannen fast genau ein Jahr nach dem Suizid von Torhüter Robert Enke im November 2009.

Mehr Infos gibt es auf DasErste.de

Unsere «Experten»

Bis Februar 2010 war Margot Käßmann Vorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland. Auch für ist der Tatort am Sonntagabend ein Ritual.

Die vorherige Folge


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