"Ein Ort, an dem sich Ritualzuschauer und Fernsehkritiker auf einen kurzen Absacker treffen können"


Extra mit Dietlind Biesterfeld

Seit 2009 ist Dietlind Biesterfeld Jugendrichtern am Berliner Amtsgericht Tiergarten. Dort ist sie zuständig für den Bezirk Neukölln und arbeitete in dieser Zeit auch mit Kirsten Heisig zusammen, die sich im letzten Sommer das Leben nahm.

Heisigs Thesen allerdings, die sie letztes Jahr noch in ihrem Buch Das Ende der Geduld niederschrieb, haben die öffentliche Debatte zum Thema Jugendkriminalität verändert. Heute würden mehr Leute darüber sprechen, sagt Dietlind Biesterfeld. „Wie während einer Fußball-WM, wenn mehr Leute über Fußball reden“.

Wie der kürzlich ausgestrahlte Tatort: Vergeltung das Thema Jugendkriminalität aufgreift, gefiel Dietlind Biesterfeld allerdings nicht. Mit uns spricht sie daher in unserem Das Wort zum Mord extra über die Frage, wie der Tatort dieses Thema zukünftig besser verarbeiten könnte.

Biesterfeld sagt: „Man bräuchte einen typischen Fall. Einen Jugendlichen oder eine Jugendliche, die mehr im Mittelpunkt steht – nicht so eine Geschichte, wo jemand planvoll jemanden für früher begangene Taten rächt“.

Zum Thema Jugendkriminalität, das häufig vor allem auch absolute Kleinkriminalität sei, sagt Biesterfeld: „Wir haben in der letzten Zeit eine ganze Menge spektakuläre Fälle gehabt, wo Jugendliche sehr brutal jemanden zusammengetreten haben. Das schockiert die Öffentlichkeit. “Ich finde es allerdings schwierig, wenn die Boulevardpresse, um ihre Auflage zu stärken, Stimmung gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen oder gegen bestimmte Teile der Jugendlichen macht. Diese Tendenz, die Halbstarken seien an allem Schuld, gab es schon in den 50er Jahren. Ich würde dem entgegen treten wollen, die Jugend für alles verantwortlich zu machen.“


Das Wort zum Mord

Im November 2010 feierte der ARD-Krimiklassiker Tatort seinen 40. Geburtstag und ist nach wie vor die beliebteste deutsche Krimireihe. Aktuell gehen 17 Ermittlerteams in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf Mördersuche und begeistern die Zuschauer auf vielfältige Weise.

Für die zahlreichen Tatort-Fans geht es nun sonntagabends nach dem Tatort im Netz weiter: In unserer neuen WebTV-Serie Das Wort zum Mord kommentieren drei Prominente und Experten (z.B. beteiligte Darsteller, Publizisten oder echte Kommissare) jede Erstausstrahlung. Darüber hinaus nehmen sie Stellung zu eigenen Tatort-Erfahrungen und aktuellen Kontroversen rund um die Reihe.

Die WebTV-Serie wird seit dem 13. Februar sonntagabends ab 21:45 Uhr direkt im Anschluss an den Tatort in diesem Portal veröffentlicht. In der ersten Folge besprachen Tatort-Kommissar Oliver Mommsen, Tatort-Erfinder Gunther Witte und Die Super Nanny Katharina Saalfrank den neuen Bremer Tatort: Stille Wasser.

Übrigens: Zum Start unseres Portals gibt es 5 Tatort-DVD-Boxen von Walt Disney Studios Home Entertainment sowie 8 Tatort-Romane aus der Reihe des Emons Verlag zu gewinnen - sie werden unter allen Facebook-Fans der WebTV-Serie verlost.

Bild 1: © WDR / Bild 2: © Walt Disney Studios Home Entertainment

TATORT: Vergeltung
Die Story

In Vergeltung wird Moritz Eisner mit dem Thema Jugendgewalt konfrontiert. Ein Serientäter tötet rechtskräftig, verurteilte jugendliche Gewalttäter.

Vieles deutet auf das Motive Rache aus dem Umfeld eines damaligen Opfers hin und eine erste Spur führt zu der therapeutischen Einrichtung „Pro Youth“, die sich auf die Resozialisierung Jugendlicher spezialisiert hat.

Die Ermittler

Seit 1998 ermittelt Harald Krassnitzer nun schon als Chefinspektor Moritz Eisner. Er gilt als Spezialist und wird deswegen von Wien als Leiter von Sonderkommissionen zur Lösung kniffliger Fälle in die Bundesländer geschickt.

In Vergeltung unterstützt ihn Bibi Fellner (Adele Neuhauser), die Eisner von der Sittenpolizei kennt und das eine oder andere eigene Problem mitbringt…

Die Fakten

Vergeltung ist der mittlerweile 24. Fall für Chefinspektor Moritz Eisner.

Neben Harald Krassnitzer und adele Neuhauser spielen in diesem Tatort u.a. Harald Schrott, Aglaia Szyszkowitz, Tanja Raunig (als Eisners Tochter Claudia) und Hubert Kramar (als Eisners Chef Ernst Rauter).

Inszeniert wurde dieser Tatort von Wolfgang Murnberger. Das Drehbuch stammt von Uli Brée.

Produziert wurde Vergeltung von der Allegro Film zwischen dem 25. Mai und dem 24. Juni 2010 in Wien und Niederösterreich.

Mehr Infos gibt es auf DasErste.de

Unsere «Experten»

Jo Groebel, Medienpsychologe und Chef des Deutschen Digital Instituts, schreibt Bücher zum Thema Gewalt in den Medien.

Die vorherige Folge

In der letzten Folge von So, 27.02, kommentierten der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach, die Rechtsanwältin Seyran Ates und Doris J. Heinze – die ehemalige NDR-Fernsehspielchefin – den Hamburger-Tatort: Leben gegen Leben mit Mehmet Kortulus...
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